Zu Hause fremd

Schwarzweißes Minikleid
Zu Hause fremd – Das schwarzweiße Minikleid

 

Da stand Rebecca in ihrem schwarz-weißen Minikleid, im siebziger Jahre Stil. Den Weißen mit schwarzen punkten verzierten Reifenohrringen und den kniehohen schwarzen Stiefeln. Kleidergröße 34 bei einer Körpergröße von mehr als 1,70 m. Mit passender Hochsteckfrisur. Gestylt auf den Punkt. Up to Date.

Perfekt für ihre ehemaligen Freunde und Bekannten im 500 km entfernten München. So wie ihr Ex-Mann es sich stets gewünscht hätte.
Ihm war sie immer ein wenig zu dick gewesen. Immer ein wenig zu bieder gekleidet und immer schlicht nicht perfekt genug.

Es war Silvester und der 30zigste Geburtstag von Rebeccas Schwester. Eine große Party, die so ein Outfit verlangte, Oder?

Nun stand sie da, in dem Flur und fühlte sich einsam und fremd.

Rebecca kannte die meisten der Gäste, aber auch nicht mehr als den Nachbarn am anderen Ende der Straße. Und nicht genug, dass sie schon von dem einen und anderen männlichen Gast blöde Sprüche zu hören bekommen hatte. Schließlich sei sie nun Single und solle doch ihren Spaß haben sollte. Nun noch die flache der Bierlaune geschuldete dreiste Anmache des Nachbarn. Jedes Mal, wenn er sie alleine, auf dem Weg zur Toilette abpasste.
Sie wurde immer frustrierter und zorniger. Um diese Situation nicht eskalieren zu lassen, sprach Rebecca mit ihrer Schwester.
Diese musterte sie nur scharf von oben bis unten und warf ihr: „Selbst schuld, wenn du rumläufst wie ein Flittchen!“ an den Kopf und ließ sie stehen.

So stand sie nun da.

In ihrer Welt hätte sie Komplimente geerntet. Ihr Ex-Mann hätte sie mit stolz vorgestellt und hier, in ihrem Geburtsort, bei ihrer Familie war sie einfach fehl am Platz. So wenig perfekt wie zuvor in ihrer Ehe. Schlichtweg fremd.

 

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