Kraftvolles Kreatives Training, das nach nichts aussieht

Gehirntraining
Kraftsport für die grauen Zellen

 

Wenn es aussieht, als würde nichts passieren, passiert oft sehr viel

Und wieder sitze ich vor einer Seite, auf der ein paar Wortfetzen stehen. Der Rest der Seite ist leer. Weiter kommt nichts.

Ich höre von vielen, gerade bei Songschreibern ist das oft so. Wir haben die erste Strophe mehr oder weniger aufgeschrieben. Die zweite Strophe soll nun, nach der klassischen Lehre, die Gedanken der ersten Strophe weiter ausführen.

Aber was, wenn ich gar keinen Gedanken habe?

Als ich aufwuchs, hörte ich Rockmusik mit englischen Texten, die ich sowieso nicht verstand. Ich entwickelte keinerlei Beziehung zu den Texten. Für mich waren Songtexte einfach Laute, die man der Musik hinzufügte, damit die Musik nicht rein instrumental blieb.

Über die Jahre meines Songschreibens (seit ca. 1983) hinweg entwickelte ich eine schwerfällige Beziehung zu den Texten.

 

Der Schrecken der zweiten Strophe

Songschreiber haben sie über ein Jahrhundert lang fürchten gelernt: Die zweite Strophe. Entwickle den Gedanken weiter, erzähle die Geschichte weiter.

Ich habe einen coolen Titel. Also, er klingt cool. Was er inhaltlich bedeutet: Keine Ahnung.

Also hinsetzen und aufschreiben, was mir einfällt. Wenn mir denn was einfällt.

Mein früheres Verfahren war, Worte zusammen zu knüllen und in die grobe Richtung der Musik zu werden. Wenn etwas davon grob passt, schnell festkleben, fertig.

Von Herbst 2015 bis Sommer 2016 passierte bei mir musikalisch sehr wenig; ich hatte kaum brauchbare Ideen. Im Sommer 2016 haute ich dann plötzlich 4 wirklich gute Songs in Serie raus. Und danach, bis zum November, wieder sehr wenig.

 

Geistiges Gewichtheben

In 2015 machte ich mich auf den Weg, Songschreiben wirklich zu lernen. Dabei wurde mir klar: Songschreiben ist wirklich Arbeit. Ernsthafte, anstrengende Arbeit. Abgesehen davon, dass die Entlohnung vollständig unberechenbar ist.

Ich belegte ein Coaching bei der Kreativ-Trainerin Cynthia Lindemann, was mir erste Anstöße gab.

Dann stieß ich auf Pat Pattison, ein Urgestein des Songschreibens. Ich belegte erst einen Kurs bei ihm und später bei Adam Mitchell.

Bis zum Sommer 2016 war meine Strategie gewesen, wenn mir beim Songschreiben nichts einfiel, aufzustehen und etwas anderes zu tun.

Dann entdeckte ich einen Vortrag der etablierten Songschreiberin Beth Nielsen, die immerhin an einigen internationalen Hits mitgewirkt hat.

Sie sagte unter anderem, wenn keine Ideen auftauchen, bleibe sitzen und arbeite weiter. Focussiere auf den Song. Sie sagte, wenn scheinbar gar nichts passiert, wenn Du dranbleibst, trainierst Du Deine kreativen Muskeln mit unsichtbaren kreativen Gewichten.

 

Das erste große Gewicht: Bloggen

Im Jahre 2007 begann ich auf Anregung eines Freundes zu bloggen.

Meine ersten Blogs wurden überhaupt nicht gelesen.

Der erste Quantensprung nach vorn geschah im Jahre 2012.

Mein goldiger Kollege Michael R. Grunenberg machte mir auf seine freundliche Art klar, dass ich ab und zu etwas Brauchbares schreibe und dazwischen viel Müll.

Also suchte ich nach guten Rat, der nicht zu teuer sein sollte.

Beim Thema Bloggen stößt der geneigte Suchende unausweichlich früher oder später auf Blogging-Großmeister Jon Morrow. Ich belegte seinen guestblogging-Kurs und lernte so, besser zu schreiben.

In der Folge veröffentlichte ich immer mehr Gast-Artikel an verschiedensten Stellen. Nicht von jetzt auf gleich, aber im Laufe der folgenden Jahre.

 

Steter Tropfen höhlt den Stein – aber erstmal das Gehirn&lt

Die ersten zwei Jahre lang saß ich vor leeren Seiten und saugte mit aller Kraft an meinen Fingern. Bald waren die Finger genauso weiß wie die Seite, sonst passierte nichts.

Mein alter Freund Holger Schmidt (leider Mai 2016 verstorben) zeigte mir dann eine Technik, Gerüste für Texte vorzubereiten. Ich lernte, Mind Maps zu benutzen.

Zuerst quälte ich mir die 300 Wörter heraus, die WordPress für einen Artikel empfiehlt. Dann kam der Trend auf, längere Artikel um 1.000 Wörter zu schreiben. Nach Studium mehrerer Vorbilder wie Glen Long vom smartblogger, Peer Wandiger von selbstaendig-im-netz und Vladislav Melnik vom affenblog, kriegte ich auch das hin.

Ab dem Sommer 2016 hämmere ich oft 1.000 Wörter einfach herunter, ohne allzu große Anstrengung.

Manchmal genügen auch weniger als 800 Wörter, wie z.B. in diesem Artikel.

 

Und was will mir der Autor damit sagen?

Ich will sagen, wenn sich nichts zu bewegen scheint, muss das nicht heißen, dass sich nichts bewegt. Manchmal bewegt sich dann sehr viel, und das zeigt sich später.

Wenn die Dinge nicht funktionieren, lernen wir dazu. Wenn wir dann eine Weile gelernt haben, dann funktioniert’s wieder eine Weile, und zwar besser als vorher. Und dann wieder nicht mehr.

In diesem Sinne:

 

Viel Erfolg!

(Text: Gastautor Alexander von http://rechnungswesenlehrer.de)

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